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Im Gespräch mit Thomas Hoeveler

DER QUERLESER

Thomas Hoeveler ist klassisch ausgebildeter Schauspieler. Aber auch Musiker, Regisseur, Coach und Sprechtrainer. Als Querleser verbindet er seine Professionen. Dabei entsteht eine überraschende und unterhaltsame Cross-over-Kommunikation.

Herr Hoeveler, Sie sind Schauspieler, Regisseur, Musiker und – Querleser. Ein Querleser, was ist das?

Ein Querleser ist jedenfalls keiner, der seinen Text in dem Sinn querliest, dass er ihn nur überfliegt. Ein Querleser ist eher ein Kreuz-und-quer-Leser. Ein Gast gibt mir ein Buch, ein andrer nennt mir eine Seitenzahl. Ich schlage sie auf, lese und spiele aus dem Stegreif. Ich lese, was immer das Publikum mitbringt – Bilderbücher, Kurzgeschichten, Romanauszüge. Aber auch aus einem Malbuch. Dann pflege ich die Kunst der Bildbeschreibung. Selbst ein medizinisches Sachbuch über Darmkrankheiten war schon dabei. Manchmal wundere ich mich, dass ich noch nie ein Telefonbuch vorgelegt bekam. Vermutlich, weil die Zuhörer Bücher mitbringen, mit denen sie etwas Besonderes verbinden. Das ist beim Telefonbuch offenbar selten der Fall.

Zur Person:

Thomas Hoeveler studierte Jazz- und Rockgitarre am Münchener Gitarren-Institut und arbeitete als Studiomusiker, bevor er eine klassische Schauspielausbildung bei Konrad Kerschner am Bliss Theater Studio München absolvierte. Seine Engagements als Schauspieler und Musiker führten ihn über die freie Theaterszene in München an das Landestheater Schwaben in Memmingen, das Landestheater Burghofbühne in Dinslaken und an die Stadttheater Aalen und Konstanz. 1997 gründet er zusammen mit seiner Frau das kleinewelttheater in Velbert. Hier arbeitet er als freischaffender Schauspieler, Regisseur, Musiker und Dozent.

 

Wie kamen Sie zu diesem besonderen Cross-over-Format? Wie ist es entstanden?

Zwei Dinge kamen vor ungefähr fünf Jahren zusammen: Zum einen habe ich damals die spontane Darbietung für mich entdeckt. Das improvisierte Spiel hat eine Frische, die sich in gezielt einstudierten und vielfach geprobten Inszenierungen kaum herstellen lässt. Zum anderen suchte ich ein Format, bei dem das Geschehen auf der Bühne nicht nur konsumiert wird. Ich suchte eine Form der Unterhaltung, die genau das auch ist: eine gemeinsame Unterhaltung, ein wechselseitiger Austausch. Den Rahmen bilden Butler und Poet. Dieser Part trägt die Vorstellung und hält sie zusammen, aber was innerhalb dieses Rahmens geschieht, habe ich nicht vollständig in der Hand. Weil das Publikum den Verlauf der Veranstaltung mitgestaltet, indem es die Auswahl der Texte trifft und deren Abfolge mitbestimmt. Jede Vorstellung wird durch die Persönlichkeiten, die da zusammenkommen, beeinflusst. Durch das, was sie tun – oder auch nicht tun: Einmal schrieb mir eine Frau, sie habe sehr lang vor ihrem Regal gestanden und das mitgebrachte Buch sehr sorgfältig gewählt. Es sei ein schöner und wichtiger Text. Er hätte jedoch nicht in die Dramaturgie gepasst, die sich im Lauf der Vorstellung herauskristallisiert habe. Sie hat mitgestaltet, indem sie ihren eigenen Titel zurückgehalten hat.

„ Die non-verbale Kommunikation kommt zu kurz.“

 Thomas Hoeveler

Die Arbeit in fast allen Unternehmen ist geprägt durch Besprechungen. Betrachtungen, ‚Bemimungen‘, ‚Begestungen‘ sind nicht vorgesehen. Kommen Blicke, Mimik, Gesten, kommt die nonverbale Kommunikation im Arbeitsalltag zu kurz?

Meiner Meinung nach ja. Kommunikation ohne Körpersprache birgt so viel mehr Potenzial für Missverständnisse. In meiner Arbeit als Sprechtrainer betone ich die Einheit von Körpersprache und gesprochenem Wort. Erst wenn auch die Körpersprache mitreden darf, fängt echte Verständigung für mich an. In einem Seminar habe ich zusätzlich noch die Bildsprache mit in die Kommunikation eingeflochten, indem ich die Teilnehmer Bildteile malen ließ. Auch mit ihrem malerischen Ausdruck haben sie sich, ihr Inneres, ihre Haltung geäußert. Es geht mir in den Trainings und Seminaren immer um die Verknüpfung der unterschiedlichen Ausdrucksformen. Das kommunikative Ergebnis ist umso authentischer und umso vollständiger, je mehr Ebenen miteinander verflochten sind.

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